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      Lieferkette

    Moderne Sklaverei: Wenn Ansprüche die Nachweise übersteigen

    Was bedeutet das für den Umgang mit Risiken in Bezug auf moderne Sklaverei und Menschenrechte?

    Moderne Sklaverei wird häufig im Kontext von Risiken, Compliance, Audits und Lieferketten diskutiert. Doch hinter jedem Audit-Ergebnis, jeder Risikobewertung und Eskalation steht ein Mensch, dessen Sicherheit, Freiheit oder Würde auf dem Spiel stehen kann.

    Für Unternehmen, die Ausbeutung aufdecken und bekämpfen wollen, geht wirksame Sorgfaltspflicht weit über die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen (etwa des LkSG) hinaus. Sie brauchen praktische Wege, um zu verstehen, was entlang Ihrer Lieferkette geschieht – sichere Kanäle für Beschäftigte, um Bedenken zu äußern, verlässliche Beschwerdeverfahren und wirksame Abhilfemaßnahmen.

    Je komplexer die Lieferketten werden, desto schwieriger wird dies. Ausbeutung kann viel weiter im Verborgenen stattfinden – jenseits direkter Lieferantenbeziehungen und außerhalb der Sichtbarkeit herkömmlicher Audits. Kosten- und Zeitdruck erhöhen die Komplexität zusätzlich, während Beschäftigte oft nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich zu äußern.

    Wie die britische Organisation gegen moderne Sklaverei und Ausbeutung, Unseen, betont: Sorgfaltspflicht in Lieferketten muss letztlich mehr zeigen als das, was in Richtlinien und Audits steht. Sie muss helfen zu verstehen, welchen Bedingungen Menschen in der Realität ausgesetzt sind.

    Um dies zu untersuchen, hat die BSI Group eine unabhängige Studie unter 600 Führungskräften in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Südafrika in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden anschließend in einem gemeinsam mit dem Chartered Institute of Procurement & Supply (CIPS) erstellten Bericht zusammengefasst.

    Die Ergebnisse – ausführlich dargestellt in „Frei von Sklaverei? Beweisen Sie es." Bericht zu sozialen Risiken 2026 – offenbaren eine erhebliche Spannung zwischen dem, was Unternehmen über ihre Lieferketten zu wissen glauben, und dem, was ihre Nachweise tatsächlich belegen können.

    96% deckten schwerwiegende Verstöße gegen Arbeitsrechte auf. Was sagt das über das Vertrauen in die Sorgfaltspflicht aus?

    Was würden Sie erwarten zu finden, wenn Sie Ihre Lieferkette gezielt auf moderne Sklaverei untersuchen?

    Unsere gemeinsame Studie mit CIPS ergab: 96% der Unternehmen hatten innerhalb der vorangegangenen 12 Monate moderne Sklaverei, Zwangsarbeit oder schwerwiegende Verstöße gegen Arbeitsrechte in ihren Lieferketten identifiziert.

    Dieser Befund ist bemerkenswert. Noch aussagekräftiger ist jedoch der Wert von 77%.

    Das ist der Anteil der Unternehmen, die glauben, über ausreichend Nachweise zu verfügen, um zu belegen, dass ihre Lieferkette frei von moderner Sklaverei ist. Beide Befunde können gleichzeitig zutreffen. Der vollständige Bericht untersucht, was sie über die Ansprüche der Unternehmen in ihre Sorgfaltspflicht aussagen. Und gemeinsam werfen sie eine wichtigere Frage auf: Wie sicher können Sie sich in Ihrer Sorgfaltspflicht sein, wenn Sie nicht immer sehen können, was geschieht?

    Etwas zu finden bedeutet nicht, gescheitert zu sein

    Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als hätte die Sorgfaltspflicht versagt, wenn 96% der Unternehmen moderne Sklaverei oder Verstöße aufdecken. Doch Ausbeutung zu finden bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Sorgfaltspflicht versagt hat. Es kann auch bedeuten, dass Unternehmen Probleme ans Licht bringen, die sonst verborgen geblieben wären.

    Die CIPS-Studie belegt ein starkes Engagement bei der Identifizierung und Bekämpfung moderner Sklaverei und weitergehender Menschenrechtsfragen: 75% der Befragten gaben an, sich in hohem Maße dazu verpflichtet zu fühlen.

    Das aktive Suchen nach Verstößen ist also nicht das Problem. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob Unternehmen genug sehen, den Ergebnissen vertrauen und wissen, was zu tun ist.

    Wenn Ansprüche die eigene Sichtbarkeit übersteigen

    Je tiefer Sie in eine Lieferkette blicken, desto schwieriger wird es zu erkennen, was geschieht.

    Nur 18% der Befragten gaben an, bei Tier 3 umfassende Sichtbarkeit zu haben. Bei Tier 2 lag dieser Wert bei 26%, bei Tier 1 bei 38%.

    Das ist bedeutsam: Der Anspruch in Ihre Sorgfaltspflicht hängt von der Qualität der zugrunde liegenden Nachweise ab. Die Studie ergab, dass 74% der Befragten zuversichtlich waren, dass ihre Sozialaudits und Bewertungen die realen Bedingungen widerspiegeln – aber nur 29% waren davon vollständig überzeugt.

    Mehr Daten allein lösen dieses Problem nicht. Unternehmen brauchen verlässliche Nachweise, die tief genug in der Lieferkette verankert sind, um zu zeigen, was wirklich geschieht.
    Es ist zwar erkennbar, dass die Sichtbarkeit jenseits von Tier 1 abnimmt – doch das ist nicht der aufschlussreichste Befund des Berichts.

    Was geschieht, wenn Sie Ausbeutung aufdecken?

    Ausbeutung aufzudecken ist erst der Anfang. Die Studie zeigt: 54% der Unternehmen haben einen Verstoß identifiziert, dokumentiert und Maßnahmen ergriffen – ohne die Lieferantenbeziehung zu beenden. Weitere 31% hatten Mahmen ergriffen und die Beziehung anschließend beendet.

    Dieser Unterschied zeigt: Das Beenden einer Lieferantenbeziehung beendet Ausbeutung nicht automatisch. In manchen Situationen bieten Maßnahmen und fortgesetztes Engagement mehr Möglichkeiten, die zugrunde liegenden Bedingungen zu verbessern und Beschäftigte zu schützen. Der Fokus muss auf der Verbesserung der Bedingungen liegen – nicht nur auf der Identifizierung von Problemen.

    Der vollständige Bericht beleuchtet diese Spannung eingehender, einschließlich der Frage, was nach der Aufdeckung von Ausbeutung geschieht und welche Rolle Maßnahmen beim Schutz von Beschäftigten spielen.

    Fazit: Verankern Sie Nachweise, Sichtbarkeit und Handeln in Ihrer Sorgfaltspflicht

    Als Unternehmen ist es nicht Ihr Ziel, eine Lieferkette aufzubauen, in der nie etwas Unbequemes gefunden wird.

    Arbeiten Sie stattdessen daran, die Sichtbarkeit und die Nachweise aufzubauen, die Sie brauchen: um zu überwachen, was geschieht, auf Probleme zu reagieren und die Bedingungen für Beschäftigte kontinuierlich zu verbessern.

    Dazu müssen Sie über das Vertrauen in Ihre Prozesse hinausblicken und kritischere Fragen nach den Nachweisen stellen, die diesen zugrunde liegen :
    • Können Sie tief genug in Ihre Lieferkette blicken?
    • Können Sie dem vertrauen, was Ihre Daten zeigen?
    • Und wenn Sie Ausbeutung aufdecken: Können Sie so reagieren, dass Sie Menschen schützen und Veränderungen anstoßen?

    Die dem vollständigen Bericht zugrunde liegende Studie zeigt: Ansprüche sind nur der Ausgangspunkt. Ihre Glaubwürdigkeit entsteht durch die Fähigkeit, zu sehen, zu belegen und zu handeln.

    Die Ergebnisse im vollständigen Bericht „Frei von Sklaverei? Beweisen Sie es." beleuchten diese Spannungen eingehender und zeigen, wie Unternehmen Sichtbarkeit, Nachweise, Audit-Vertrauen und Abhilfemaßnahmen entlang ihrer Lieferketten bewerten.